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 Die Argus - Geschichten 
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Ensign
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Beitrag Die Argus - Geschichten
Die Flucht

Es regnete, aber das war normal auf Ferenginar. Müde kroch Argus aus seinem Leinentuch, in dass er, wie alle Ferengi, vollständig eingewickelt war. Er hatte viel vor. Heute würde sich sein Leben verändern, grundlegend. Er würde alles über den Haufen werfen, für das er so viele Jahre geschuftet hatte. Als kleiner Junge schon. Angefangen mit dem Pauken der Heiligen Regeln des Erwerbs, über erste Inventuren, dem Erlernen kleinerer Reparaturendie ihm heute lächerlich vorkamen, weil er sie blind durchführen konnte, bis hin zu den grossen Brocken. Den Konsolen, Sensorenphalanxen und Kommunikationseinrichtungen, die er fachgerecht aus Schiffsbrücken und -gängen sowie aus Wartungsschächten entfernte.

Zugegeben, er hatte viel gelernt von seinem Onkel. Nox hatte ihm nicht nur die technischen Fertigkeiten beigebracht, die er brauchte. Er und dessen Bruder Grim, der Vater von Argus, zeigten ihm, wie man aus der Ferne mit einem Knopfdruck mittels einfachster Kommunikationsbefehle Schiffsantriebe lahmlegte, die betroffenen Kähne enterte und über das Belüftungssystem durch kurzes Kappen der Sauerstoffzufuhr eine Schiffscrew lahmlegte. Anschliessend brachten sie ihm bei, wie man ein Schiff fachgerecht ausplünderte, wertvolles von wertlosem unterschied und möglicht nicht zu viel Zeit vergeudete. Nichts hasste Onkel Nox mehr, als sich länger aufhalten zu müssen wie nötig.

Der junge Argus merkte sich alles. Sehr gut. Und er schaute nicht nur zu, sondern betrieb selbst Studien, indem er jede Schiffsdatenbank plünderte, der er habhaft wurde, sämtliche Daten kopierte und sorgfältig getarnt in der Schiffsdatenbank des D'Kora-Kreuzers verstaute, der seine Heimat geworden war. Nicht nur seine, sondern auch die seines Vaters und seiner Cousins. Argus wusste nicht, wie viele Eheverträge Nox geschlossen hatte, aber er hatte eine unüberschaubare Anzahl von Söhnen und Töchtern, die aber meist aus seinem Leben verschwanden, weil er die Provisionen für ihre Verheiratung wichtiger fand als familiäre Bindungen. Grim dagegen hatte nur ihn. Und er war zutiefst traurig gewesen, weil seine Vertragspartnerin nicht bereit war, den Kontrakt zu verlängern. Erst als Argus älter wurde, erfuhr er, dass Nox seine Finger im Spiel hatte. Er hatte nicht nur diesen Ehevertrag teuer vermittelt, sondern auch gleich einen neuen für die Zeit nach dem Ende der Vertragslaufzeit. Grim war machtlos. Und Argus wurde unzufriedener, je älter er wurde.

Schliesslich fand er etwas, das ihn bei Laune hielt. Eines Tages fiel ihnen ein MHN in die Hände. Nox wollte es direkt löschen, weil der Doktor aus seiner Sicht ein Nervtöter war. Argus dagegen nahm das Programm und kümmerte sich in jeder freien Minute, die er abzweigen konnte, darum, dieses Hologramm stetig zu verbessern. Heimlich verband er das Programm mit dem Schiffscomputer und entwickelte eine Persönlichkeit in ihm. Niemand an Bord wusste das. Zumindest stellte aus der Crew keiner Fragen. Argus wurde respektiert, weil er mehr über Sensoren und Kommunikation verstand, als jeder andere.

Die 'Freundschaft' mit dem MHN liess schliesslich den Plan reifen, der den Ferengi aus den Fängen seines Onkels befreien sollte. Nach Jahren der ewigen Wiederholung des Deaktivierens und Enterns, der Crewbetäubung und des Plünderns hatte Argus irgendwann die Ohren voll. Abgesehen davon stellte er als Heranwachsender und junger Mann immer öfter die Heiligen Regeln infrage. Etwas, das seinem Onkel mehrfach veranlasste, ihn zurechtzuweisen und auf seine Art zu bestrafen. Da ihm Argus zu wichtig war, wurde dessen Vater bestraft und mit den niedersten Handlangerarbeiten betraut. Was Argus nicht wusste, war die Tatsache, das auch Grim nicht dumm war und sich über die Jahre hinweg Zugangscodes und Transaktionsnummern verschaffte, Kontennummern recherchierte und sich ständig uber die Vermögensverhältnisse seines Bruders informierte. Ab und an verschwanden kleinere Beträge Latinums von viel genutzten Konten. Gerade so viel, dass es keinen Verdacht erregte. So legte er für sich und Argus geheime Notreserven an, die gut geschützt auf einer Bank auf Ferenginar angelegt wurden, die wie jede Bank auf Ferenginar keine Fragen stellte. Nachdem Argus vollwertiges Mitglied der Crew wurde, weihte Grim ihn ein und erwarb so den Respekt seines Sohnes zurück, der ihn bisher als willigen Sklaven seines Onkels verachtet hatte.

Das war auch schon zehn Jahre her. Damals war er zwanzig gewesen. Und es hatte tatsächlich ein Jahrzehnt gedauert, um jetzt endlich zu verschwinden. Das Schiff lag im Dock. Die Crew hatte im Haus von Nox übernachtet, da sowieso kein anderer ein Haus besass. Womit hätten sie es denn kaufen sollen? Nox verwaltete die Vermögen jedes Besatzungsmitgliedes. Dachte er zumindest, denn von Grims leichten Verschiebungen wusste er nichts.

Heute hielt er sich nicht lange mit der Verrichtung auf. Er musste so schnell und so unauffällig wie möglich verschwinden. Nachdem er angezogen war, hinterliess er eine Nachricht, dass er zum Schiff beamen würde, um dort nach dem rechten zu sehen. Das erregte wenig Aufsehen, da Nox ihm soweit vertraute, dass er alle Räume an Bord mit Ausnahme der Brücke und des Maschinenraumes betreten durfte. Sogar den Frachtraum. Und das war eine Seltenheit, denn die anderen durften den Raum nur in der Anwesenheit des DaiMons betreten. Argus hatte sich das Recht erworben, weil er den Frachttransporter in Schuss halten sollte. Im Frachtraum gab es aber nicht nur die Steuerkonsole für den Transporter, sondern auch ein Kommunikationsterminal. Und die Holoemitter, die er heimlich eingebaut hatte.

Es dauerte einen Moment, dann erschien ... er selbst. Er hatte das MHN in ein holografisches Alter Ego verwandelt, denn es hatte noch einen speziellen Auftrag. Zunächst überprüfte er, ob die internen Sensoren noch deaktiviert waren und nichts von dem aufzeichneten, was sich hier abspielte. Es hatte Monate gedauert, um alle für seinen Plan nötigen technischen Einrichtungen zu manipulieren. Die Sensoren waren deaktiviert. Argus bedeutete dem Hologramm, an die Konsole des Frachttransporters zu gehen und ihn herauszubeamen. Wenig später befand er sich in der Nähe des Handelsturmes und traf dort auf Sem Balt, einem Bolianer, der sein Latinum als Schlepper für das Orion-Syndikat verdiente. Nox hatte ihm zu einem zweiten Standbein als Schmuggler verholfen. Aber auch Sem wollte aussteigen und ein ehrlicheres Geschäft betreiben. Argus brachte ihn auf die Idee, von Deep Space Nine aus Kolonisten in den Gamma-Quadranten zu bringen.

Der Bolianer nahm das versprochene Latinum entgegen, dass sich Argus am Abend vorher von Nox aus dessen Tresor 'geborgt' hatte. Dann aktivierte der Ferengi mit Hilfe einer Fernbedienung die internen Sensoren des Frachtraumes und wenig später war das dort wartende Hologramm Geschichte, als es im Feuerball einer heftigen Explosion berstender Plasmaleitungen mitsamt der Emitter verschwand. Argus beamte die zuvor markierten Emitter kurz vor der Explosion mit Hilfe seiner Fernbedienung heraus. Das Hologramm löschte er aus dem Schiffscomputer. Für diesen Streich hatte er Jahre der Vorbereitung gebraucht. Es war nicht leicht, kleine Programmroutinen zu schreiben und im Computer zu verstecken, wenn man so gut wie nie allein war und keine Freizeit hatte.

Der Bolianer brachte Argus mit dem kleinen Frachtshuttle, das er sein eigen nannte, nach Deep Space Nine, wo sich Argus zunächst in die Obhut von Quark begab und dessen Dabotische, Replikatoren und Holosuiten in Schuss hielt.

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Ensign Argus, Leitender Operationsoffizier, USS Interceptor


Zuletzt geändert von Argus am 25. Sep 2016, 12:38, insgesamt 2-mal geändert.

16. Sep 2016, 19:37
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Beitrag Re: Die Argus - Legende
Von Deep Space Nine zur Erde

Alles lief wie am Schnürchen, wie die Männ-schänn sagen würden. Argus war nicht viel vom Schiff seines Onkels herunter gekommen, so das alles völlig neu für ihn war. Quark hatte das sofort gemerkt und ihn gebeten, die Dabotische besser zur Sperrstunde zu warten. Ausserdem kümmerte sich sein neuer Schützling um die Holosuiten und die Replikatoren. Eine bessere Entscheidung hätte der Barkeeper nicht treffen können, denn Argus verstand eine Menge von diesen Systemen. Der hielt es nicht für nötig, Qaurk aufzuklären, sondern machte seine Arbeit, ohne ein Wort zu sagen. Ganz nebenbei beschäftigte er sich auch mit anderen internen Schiffs- und Stationssystemen, indem er Quarks geheime Datenbanken knackte und studierte. Nachts war ja auch genug Zeit dafür.

Der Barkeeper war so ziemlich der Einzige, der auf der Station nach den grossen Veränderungen geblieben war. Doktor Bashir war auch noch da. Und dieser cardassianische Schneider, Garak. Aber Colonel Kira war inzwischen als Captain Kira in der Galaxy unterwegs und kommandierte ein Sternenflottenschiff. Chief O'Brian, Odo und Ezri Dax waren schon länger nicht mehr da und Worf war Botschafter der Föderation auf Qonos. Für Quark waren Veränderungen nichts neues, auch wenn für ihn die Luft dünner wurde, weil die Sicherheit nun ganz in den Händen einer misstrauischen Sternenflottenoffizierin lag. Wie alles auf der Station nun von der Flotte betreut wurde. Bajor war schliesslich Mitglied der Föderation.

Das aber war ein Glücksfall für Argus, denn er arbeitete nicht nur im Quark's. Der Chefingenieur der Basis wurde auf ihn aufmerksam und erzählte ihm von Nog, der als Lieutenant der Sternenflotte angehörte. Er liess Argus gelegentlich Reparaturen ausführen und als er merkte, wie gut der Ferengi war, nahm er ihn unter seine Fittiche. Der Ferengi lernte nicht nur Geschichten über Nog, sondern auch über die Gepflogenheiten der Species, deren Schiffe er einst ausplündern half: Andorianer, Bolianer, Bajoraner, Cardassianer, Denobulaner, Gorn, Klingonen, Menschen, Nausikaaner, Orioner, Vulkanier, Romulaner und wie sie noch alle hiessen.

Viele dieser Species kannte der Ferengi nicht Er hatte wenn überhaupt Vertreter dieser Völker nur bewusstlos oder tot gesehen und seine damalige Arbeit liess keinen Raum für Studien. Jetzt lernte er viel über diese Species und ihre Kulturen, und er reimte sich zusammen, welche geschäftlichen Möglichkeiten sich für ihn ergaben. Besonders die Karemma aus dem Gamma-Quadranten hatten es ihm angetan. Sie erwiesen sich als spiel- und risikofreudig, aber hatten selbst keine Unterhaltungsindustrie. Argus lieh sich eines Tages ein Shuttle und flog durch das Wurmloch. Damals knüpfte er die ersten Kontakte mit Karemma-Partnern, um Dabotische auf ihren Handelsposten aufzustellen. Seine fairen Preise trugen dazu bei, dass das Geschäft ein voller Erfolg wurde. Schliesslich war Argus so erfolgreich, dass er mit Regus, einem Kellner mit technischen Talenten aus Quarks Bar, einen Gehilfen einstellte, Quark verliess und ein eigenes Geschäft auf Deep Space Nine eröffnete. Da er nicht ausshliessen konnte, dass Nox hier einmal auftauchen würde, schuf er mit Aton und Hathor das holografische Personal, einen Ferengi als Geschäftsführer und eine Orionerin als Assistentin.

Auf der Station konnte er nicht lange bleiben. Insgesamt war er drei Monate dort, baute fleissig seine bescheidene Existenz auf, die später Kernstück seines kleinen Imperiums 'Vulcanon Enterprises' wurde. Vorerst musste er aber noch kleine Rohrmaden züchten, oder Brötchen backen, wie die Männ-schänn sagen würden. Um den Klauen von Nox zu entgehen, nahm er den nächsten Shuttle-Transport zur Erde, erhielt in San Francisco politisches Asyl nach ausgiebigem Verhör und wurde an die Werft empfohlen. Auf Utopia-Planitia arbeitete er sich vom Crewman zum Master Chief Petty Officer hoch. Argus erhielt ein eigenes Technikerteam, dass Kommunikations- und Sensorensysteme auf Schiffsneubauten installierte. Nebenbei liess er sich seine Geschäfte auf Deep Space Nine legalisieren. Dem Commander der Werft war klar, dass Argus ein Hobby brauchte, weil er kaum Urlaub nehmen würde, um nichts zu tun. Also half er dem Ferengi bei der Überwindung der administrativen Hürden.

'Vulcanon Enterprises' kümmerte sich bald nicht mehr nur um Dabotische für die Karemma. Argus stattete ganze Casinos aus, finanzierte Handelstransporte und Bergbaulizenzen. Mit Sem Balt ging er eine Partnerschaft ein. Er kaufte dem Bolianer einen Frachter, mit dem dieser Kolonisten aus der Föderation in den Gamma-Quandranten schipperte. Und wenn deren Bemühungen, dort Fuss zu fassen, scheiterten, holte er sie mit der 'USS Golden Hind' auch wieder zurück. Balt machte sich auch einen Namen als Fluchthelfer und Logistiker für Hilfs- und Versorgungsgüter. Dabei achtete er stets darauf, dass sein Hauptsponsor Argus nicht mit ihm in Verbindung gebracht wurde, um ihn vor dem Zugriff seines Onkels Nox zu schützen, der ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hatte.

Wäre Argus nicht gewesen, hätte Sem wohl seine Crew nie zusammen bekommen. Er hatte zuvor nur ein Shuttle gehabt. Argus kaufte Sems Bruder Walt und ihren Cousin Cris aus einem Straflager frei, in das die beiden Sternenflottenoffiziere eingewiesen wurden, nachdem sie auf einem Aussenposten eine schwere Schlägerei angezettelt hatten. Walt und Cris nahmen ihre Frauen und Walt auch seine beiden Kinder, einen Sohn und eine Tochter im Teenageralter, mit an Bord des Frachters. Mit den Jahren stiessen ein Orioner, ein Gorn und ein Nausikaaner zur Crew, die etwas mit Argus gemeinsam hatten: Probleme mit ihren bisherigen Arbeitgebern. Das waren Schmuggler und Piraten.

Neben dem Verkauf, der Installation und Wartung von Unterhaltungseinrichtungen war das Geschäft mit dem Frachter der Epsilonklasse 'SS Golden Hind' das beste, was Argus passieren konnte. Abgesehen von seinem Job auf der Werft. Der Ferengi lernte die Prinzipien der Föderation und der Sternenflotte zu schätzen und für sich so zu interpretieren, dass sie mit seinen geschäftlichen Interessen zusammen passten. Er war froh, dass Aton, sein holografischer Geschäftsführer, die Ablehnung aus der Ferengi-Allianz zu hören bekam und nicht er selbst. Niemand wusste, wer Gusar war. Bis das Schiff startklar war, dauerte es Monate, weil Argus den Frachter erst einmal raumtüchtig machen musste. Das Schiff hatte gerade mal einen halbwegs funktionierenden Impulsantrieb und eine gerade so intakte Navigation, als er es erwarb. Da er wenig von Antrieben, Navigationstechnik und Warpkernen verstand, musste er reichlich improvisieren.

Dieses Alter ego hatte Argus so angelegt, dass Gusar zwar als Kopf hinter 'Vulcanon Enterprises' bekannt wurde, aber auch dafür, dass er nicht persönlich in Erscheinung trat. Aton streute das Gerücht, dass sein Arbeitgeber Gusar ein fetter geldgieriger Ferengi war, der es sich auf Risa gutgehen liess, während er seine Umgebenen ausbeutete. Und dass Gusar sehr unangenehm werden konnte, wenn man ihn hinterging, aber äusserst fair mit fairen Geschäftspartner umzugehen pflegte. Auf diese Art erwarb Argus einen zwar nicht durchweg positiven, aber durchaus akzeptablen Ruf für einen Ferengi.

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Ensign Argus, Leitender Operationsoffizier, USS Interceptor


Zuletzt geändert von Argus am 25. Sep 2016, 19:45, insgesamt 1-mal geändert.

20. Sep 2016, 18:12
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Beitrag Re: Die Argus - Geschichten
Unternehmer in der Föderation

Nur auf der Werft zu bleiben, war auf Dauer langweilig. Zwar hatte Argus ein komfortables Appartment, aber auch ein Ferengi brauchte Abwechslung. Vor allem suchte er auch ständig nach geschäftlicher Inspiration und Argus war da keine Ausnahme. Kleidung an Weibliche zu verkaufen lag ja im Trend auf Ferenginar, aber hier schien der Markt mächtig gesättigt zu sein. Genauer gesagt musste wohl ein Überangebot herrschen, denn die überwältigende Mehrheit der Weiblichen hatte nach seiner Ansicht zuviel an. Die Uniformen waren hochgeschlossen und die Frauen trugen Hosen. Das war, zumindest anfangs, eine kulturelle Zumutung für Argus, so dass er gern auf seinem Quartier blieb, wenn es sich einrichten liess. Noch dazu musste er lernen, dass Frauen in der Föderation Befehle erteilen und sich Fachwissen aneignen durften. Das allerdings begann er von Zeit zu Zeit auszunutzen. Da einige der Damen durchaus nicht abgeneigt waren, seine Ohren kennen zu lernen, fragte er sie aus, während er sich eine Ohrenmassage gönnte. So wuchs sein Wissen stetig. Einige Kulturen, speziell Bolianer, erwiesen sich ebenfalls als äusserst gesprächig, so dass der Ferengi seine Kenntnisse über seine neue Heimat vervollständigen konnte. Und da die Karemma nach dem Ende des Dominionkrieges den Handel im Gammaquadranten dominierten, lernte er auch von seinen Hauptgeschäftspartnern viel über diese Region. Den Alphaquadranten kannte er ganz gut. Dafür hatte er eine Beziehung zu Quark aufgebaut, der ihm sämtliche Lebens- und Genussmittel abnahm, die er als Bezahlung für seine Dienstleistungen erhielt - sofern sie in der Föderation nicht verboten waren.

Das, was in der Föderation unverkäuflich war, lagerte auf dem 'Mond', den Argus gepachtet und für den er ein Vorkaufsrecht erworben hatte. Dieser 'Mond' war ein grösserer Asteroid im Vlugta-Gebiet, dessen Dilithiummine erschöpft war. Hier installierte der Ferengi zwei Holosuiten und einen Dabotisch und eröffnete ein Casino mit Gästequartieren, Restaurant und Bar, dessen Kundschaft die Bergleute der Vlugta-Region waren. Die waren recht anspruchslos und Argus brauchte nicht zu viel Latinum aufzuwenden, um 'Gusars Mine' zu unterhalten. Die meisten der alten Schächte dienten als Vorratsräume oder beherbergten die Versorgungsanlagen des Casinos. Ausserdem nutzte der Ferengi sie als Frachträume. Der Asteroid hatte gerade mal zwei Quadratkilometer Grundfläche.

Der Ferengi besuchte den Asteroiden eigentlich nur, um dort Waren abzuladen oder zu holen. Vorerst. Deep Space Nine war sein Haupturlaubsziel, obwohl er auch Kundschaft auf Risa gewonnen hatte. Da schickte er aber lieber seinen Untergebenen Regus hin, denn sein Onkel Nox machte dort regelmässig Ferien, indem er Geschäftspartner dort hinschleppte, um sie für erfolgreiche Abschlüsse in Stimmung zu bringen. Risa war daher für Argus eine Tabuzone, weshalb 'Gusar' nur seinen Gehilfen schickte, um in den dortigen Casinos Holosuiten und Dabotische zu installieren, zu warten oder zu reparieren. Auf Deep Space Nine hielt er sich meist auch nur wenige Tage auf, um Aton und Hathor zu pflegen und sich ab und an der Sicherheit und der Administration zu zeigen, die Wert darauf legten, dass Inhaber von Geschäftsniederlassungen sich um dieselben persönlich kümmerten. Die Inhaber der Restaurants, vor allem der Klingone und Quark, hatten auch immer nützliche Informationen parat, die sich für Geschäfte nutzen liessen.

Ähnlich motiviert besuchte der Ferengi auch regelmässig San Francisco. Dort gab es ein kreolisches Restaurant, indem gekochte Rohrmaden scharf gewürzt serviert wurden. Und tatsächlich traf Argus dort manchmal Nog, der diese Delikatesse sogar lebend bekam und Argus dazu einlud, wenn es sich einrichten liess. Der Werfttechniker kam aber nicht oft auf die Erde, erfuhr aber schliesslich, dass man auch hier durchaus Insekten verspeiste, allerdings gegart und nicht überall. Diese Erkenntnisse führten ihn zu Abstechern in die Metropolen Mexico City, Rio de Janeiro, New York, Bangkok, Hongkong, Shanghai, Peking und Tokyo. Paris und San Francisco blieben allerdings seine Hauptreiseziele auf der Erde, weil sich hier so ziemlich alle Species des Alpha- und Betaquadranten und ab und an auch aus dem Delta- und Gammaquadranten finden liessen.

Auf der Werft arbeitete sich Argus in die Unteroffiziersränge hoch, auch weil er gelernt hatte, dass man Weibliche als Vorgesetzte akzeptieren musste. Und weil er gelernt hatte, dass man nicht alles sagen durfte, was man dachte. Die Freundschaft zu Nog war sehr hilfreich, was das Erlernen der kulturellen Eigenheiten bei den Föderalisten anging. Zum Beispiel assen sie gegartes Fleisch und Gemüse und badeten ihren Salat in Soßen, die sie Dressing nannten. Ihre Wetterkontrollen kannten kaum Regen, während man auf Ferenginar den Regen nur abmilderte, weil mildes oder warmes Wetter zu teuer war. Der grösste Schock für Argus war, dass man zwar Credits kannte, aber Geld zum reinen Vergnügen ausgeben konnte. Wenn man wollte, bekam man alles einfach aus dem Replikator, ohne auch nur einen Streifen oder eine Münze einzuwerfen. Wirkliche Bedürfnisse kannten die Männ-schänn und die übrigen Föderalisten nicht. Man führte das Leben, das man wollte und nicht das, was man sich leisten konnte. Das wirkte sich gravierend auf die Wirtschaft aus. Alles war auf Freizeit und Konsum ausgerichtet. Wobei der Konsum dem reinen Vergnügen diente. Kein Wunder, dass das Casino, dass der Ferengi in San Francisco aufmachte, so einen Erfolg hatte. Die Gäste hatten reichlich Zeit, um sie in Holosuiten, an Spieltischen oder in der Bar und dem Restaurant zu verbringen. Eröffnet wurde dieses Projekt erst kurz bevor Argus an Bord der Interceptor kam. Seine besten Kunden waren die Techniker und Ingenieure von der Werft. Wie so ziemlich alles, was nicht mit seinem Kerngeschäft zu tun hatte, betrieb Argus das Casino als Geldanlage und liess dort einen anderen Ferengi arbeiten, der als Geschäftsführer eine Umsatzbeteiligung erhielt und vor allem etwas von ausgesprochen hübschen Bardamen und Dabomädchen verstand. Wichtig für Argus war nur, dass die Holosuiten und Dabotische von ihm betreut wurden. Dafür hatte er einige Kollegen aus der Werft eingespannt, die sich ihre Spielchips verdienen wollten. Auf diese Weise waren auch die Replikatoren, Kühlanlagen und Küchengeräte in besten Händen. Auch dieses Casino war nicht besonders gross.

Zehn Jahre waren eine lange Zeit für einen geschäftstüchtigen und rastlosen Ferengi. Das einzige, das Argus daran hinderte, wirklich richtig reich zu werden, war die Geldwirtschaft der Föderation und der daraus resultierende Mangel an echten Bedürfnissen. Eigentlich schafften nur Nöte ein ordentliches Konsumverhalten und die gab es nun mal nicht. Also war der Ferengi auch geschäftlich mehr auf Deep Space Nine und im Alpha- und Gamma-Quadranten engagiert als im Beta. Klingonen und Romulaner waren etwas verschlossen für die Ideen eines findigen Geschäftsmannes und der Rest dieser Region gehörte zur Föderation. Hier konnte man so gut wie kein Latinum verdienen. Nicht mal Krümel. Das Casino war eher ein Geschenk an seine Kollegen für das hervorragende Arbeitsklima, als eine echte Goldgrube. Zum Glück verstand Argus genug von Buchhaltung und Geldflüssen, um zu wissen, dass sein Geschäftsführer ihn nur zu betrügen versuchte, es aber dank seiner Aufmerksamkeit kaum schaffte. Wie auch, wenn Geld eigentlich keine Bedeutung hatte.

In der Sternenflotte kursierte das Gerücht, Argus sei der reichste Angehörige der Sternenflotte. Der Ferengi schwieg lieber, aber in den Datenbanken der Sicherheit schlummerten Berichte über seine Vermögensverhältnisse, die manchen Ferengi neidisch werden liessen, der sich als Unternehmer versuchte. Argus hatte Ohren für das Geschäft, auch wenn er selbst das lieber abstritt. Tatsächlich war es ja auch Gusar, sein Alter ego, der diesen Reichtum besass.

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Ensign Argus, Leitender Operationsoffizier, USS Interceptor


25. Sep 2016, 19:42
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